Die 1,5°C-Studie

Das Thema Umwelt- und Klimaschutz wird in der Gesellschaft auch durch die vielen Proteste von FridaysforFuture und ähnlichen Gruppen wie XR(Extinction Rebellion) immer präsenter, es wurden Versprechungen seitens der Politik gemacht, Gesetze wie das EEG(lol) verabschiedet, Klimaschutzpakete vorgestellt: Alles, um die Ziele des Pariser Abkommen einzuhalten, welche unter anderem die Begrenzung der Erderwärmung auf maximal +1,5°C einschließen. Aber reicht das denn? Reichen die von der Bundesregierung ergriffenen Maßnahmen denn zur Einhaltung dieser Ziele?

Man könnte sich ja vorstellen, dass, wenn sich so viele Staaten auf Ziele gegen ein Problem verständigen, welches ihre gesamte Existenz bedrohen könnte, sofort Studien und Forschungen in Auftrag gegeben worden wären, was nötig wäre, um diese zu erfüllen, oder? Ein Land wie Deutschland, industriell und wissenschaftlich so gut aufgestellt, hätte doch schon längst umfassende Ergebnisse mit nötigen Maßnahmen und Prognosen, oder nicht?

So traurig es sich anhört, Fakt ist, das nichts von alledem passiert ist. Nach der Unterzeichnung 2015 in Paris wurden keinerlei Nachforschungen angestellt, was alles nötig wäre, um das 1,5°C Ziel noch einzuhalten, keine Regierung, keine Partei oder irgendeine Institution hat bis heute, 5 Jahre nach dem Abkommen untersuchen lassen, was zur Einhaltung nötig wäre.

Also hat FridaysforFuture Deutschland einmal mehr den Job der Regierung übernommen und das renommierte „Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie“ beauftragt, herauszufinden, was die 1,5°C-Grenze für Deutschland bedeutet und welche Möglichkeiten aus heutiger Sicht bestehen, sie einzuhalten.

Die Studie zeigt: Wir können das 1,5°C Ziel noch einhalten! Allerdings wird das eine enorme Aufgabe. Denn, die Studie bewies, dass „die Klimaziele der aktuellen Bundesregierung zu einem mehr als doppelt so hohen CO2-Ausstoß führen würden wie ein 1,5-Grad-Pfad“. Des Weiteren erklärte die Studie, dass das Einhalten 1,5°C-Grenzmarke nur mit der CO2-Neutralität bis etwa 2035 und einer unmittelbaren, extremen Emissionssenkung möglich wäre. Die CO2-Neutralität „bis zum Jahr 2035 aus technischer und ökonomischer Sicht zwar extrem anspruchsvoll […], grundsätzlich aber möglich”. Noch eine erschreckende Ergänzung: Kurz nach der nächsten Legislaturperiode 2026 wäre das deutsche CO2- Budget ohne Emissionsminderungen vollständig aufgebraucht.

Aufbauend auf diesen Erkenntnissen stellt die Studie die nötigen Maßnahmen zum Erreichen der CO2-Neutralität bis 2035 in den Bereichen Energiewirtschaft, Industrie, Verkehr und Gebäuden dar.

Unter anderem müsste Deutschland bis dahin aus dem Erdgas unter selbstverständlich aus der Kohle ausgestiegen sein und erneuerbare Energien 4-5mal so stark ausbauen wie in den letzten Jahren. Außerdem müssen alle industriellen Anlagen klimaneutral betrieben, die Bepreisung von 180 Euro pro Tonne CO2 eingeführt und generell schon jetzt eine Infrastruktur für klimaneutrale Industrie geschaffen werden. Des weiteren muss der Autoverkehr halbiert, der öffentliche Verkehr verdoppelt, die meisten Verbrennungs-PKWs durch Elektroautos ersetzt, ein zulassungsverbot für neue Verbrennungs-PKW erlassen, 30% des LKW- durch Bahnverkehr ersetzt, der innerdeutsche Flugverkehr beendet und der gesamte, stark reduzierte Flugverkehr ab 2035 ausschließlich mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden. Hinzu kommt die nötige, massive Steigerung der energetischen Sanierungsrate (die Reduzierung des Energiebedarfs durch z.B. Dämmen) von Gebäuden von jetzigen 1% auf 4% pro Jahr und das Beenden des Einbaus von fossilen Heizungen, welche momentan 80% ausmachen.

Zusammenfassend kann man sagen:

 Eine 1,5-°C-Politik kann von deutscher Seite nur noch gewährleistet werden, wenn sich die Bundesregierung sofort umfassend auf die Reduktion der CO2-Emissionen fokussiert und Klimathemen in allen Politikbereichen priorisiert.

Durch die Studie wird eine Grundlage für eine ehrliche gesamtgesellschaftliche Debatte über notwendige Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise geschaffen. Auch finden sich viele Forderungen von FridaysforFuture in dem Paket der nötigen Maßnahmen wieder, was zeigt wie berechtigt sie waren und weiterhin sind. Bitte, liebe Politik, denkt an eure, an unsere Zukunft, hört auf die Wissenschaft und handelt!