Klima und Umwelt aufs Spiel setzen ist jetzt nachhaltig

Passend zu Silvester, hat die Europäische Union die Klimapolitik im Jahr 2022 mit einer Schnapsidee begonnen. Gas- und Kernenergie sollen in Zukunft als grüne Technologien gelten. Das klingt nicht nur widersprüchlich, das ist es auch. Neben den berechtigten Sicherheitsbedenken, welche eine Förderung von Kernkraft zwangsläufig mit sich bringt, werden dadurch Expert*innen zufolge – entgegen der Darstellung der befürwortenden Staaten – die Klimaziele gefährdet. Bei der
Gewinnung von Energie aus Gas, entstehen hohe Mengen an klimaschädlichem Methan. Bei der Atomkraft hingegen entsteht zwar nur wenig klimaschädliches CO2 entsteht, allerdings immer noch mehr, als bei den erneuerbaren Energien und das zu höheren finanziellen Kosten.

Trotz dessen würden bei einer Einstufung als grüne Technologie von der EU Gas- und Kernenergie faktisch auf eine Stufe mit erneuerbaren Energien gestellt werden. Dabei handelt es sich leider nicht nur um eine reine Imageverbesserung für die Atom- und Gaskraft. Diese Einstufung führt vereinfacht gesagt dazu, dass mehr Gelder aus privaten Investitionen in den Erhalt und den Ausbau von Gas- und Kernenergie umgeleitet werden. Gelder, die aktuell ausschließlich für die Weiterentwicklung und den Ausbau von beispielsweise Wind-, Solar- und Wasserkraft genutzt
werden. Es würde also effektiv weniger Geld in die klimaschonende Energiegewinnung fließen. Wieso aber, sind Atom- und Gaskraft zur Bekämpfung der Klimakrise dann überhaupt ein Thema?

Eines der Argumente, welches von den Ländern, die sich für die geplante Einstufung aussprechen, am häufigsten bemüht wird, ist das der sogenannten „Brückentechnologie“. Es wird behauptet Gas- und Atomenergie würden während des Umbaus der Energiewirtschaft auf erneuerbare Energien benötigt, um die Versorgungssicherheit an Strom zu gewährleisten.

Im Falle der Atomkraft stellte der IPCC allerdings fest, dass der Ausbau regenerativer Energien im Vergleich „risikofrei, wirtschaftlicher und kostengünstig“ ist, da in den letzten Jahren bei den erneuerbaren Energieformen, sowie bei den Speichertechnologien enorme technische Fortschritte gemacht worden sind. Außerdem wären Atomkraftwerke, welche jetzt angefangen werden zu bauen, frühestens 2038 – 2045 fertig. Mal ganz abgesehen vom nicht zu lösenden Endlagerproblem. Die Atomenergie ist – um im Bild der Brückentechnologie zu bleiben – eine gefährliche, teurere, weniger effektive Brücke, die für die Einhaltung der Klimaziele auch noch zu spät fertig wird. Bei der Erdgaskraft hingegen, handelt es sich schlicht nicht um eine klimaschonende Technologie. Zudem ist mit Biogas bereits eine klimafreundliche Alternative vorhanden.

In der Debatte, um Erdgas- und Atomkraft, geht es leider wieder einmal vor allem um wirtschaftliche Interessen einzelner Länder (Frankreich beispielsweise bezieht 70% seines Stroms aus Atomkraft), nicht aber darum, wie die Klimaziele realistisch – das heißt ohne green-washing –
eingehalten werden können. Schade, denn dem Klima ist es am Ende egal, ob die Treibhausgase unter dem Label „grüne Technologie“ in die Atmosphäre gelangen. Weiter aufheizen tut es sich dann trotzdem.